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«Ich zeige den Eltern, welche Möglichkeiten es gibt»

Was machen Eltern, wenn der Sprössling lieber auf der faulen Haut liegt, statt sich um eine Lehrstelle zu kümmern? Giuliana Lamberti hat den Verein Starke Eltern – Starke Jugend gegründet, der in solchen Fällen persönliche und telefonische Beratung anbietet – gratis.

Von Maria Reiser – 27. September 2017

Am Freitag, 14. Juli, verkündete Wetterfee Jeannette Eggenschwiler im Tele-Züri, morgen fingen die Sommerferien an, und «ab morn Samschtig chunnt au dä Summer zrugg.» Das dürfte einen Grossteil der Abschlussklassen der Sekundarschulen des Kantons Zürich gefreut haben – nicht nur wegen des Wetters. Denn gemäss der Bildungsstatistik des Kanton Zürichs heisst es für knapp 9000 von ihnen, ab in eine gewisse Zukunft. Ob eine Lehrstelle, ein Praktikum oder doch weiter im Gymi die Schulbank drücken, für sie war die Zeit nach den Sommerferien gesichert.

Die Tagesschau am Mittag indes titelte an diesem 14. Juli: «Teils Schauer, teils bewölkt.» Das dürfte die Gefühlslage der anderen 188 Abgänger eher widergespiegelt haben. Denn sie standen ohne Anschlusslösung da. Das heisst, kein 10. Schuljahr, kein Praktikum, keine Lehrstelle und auch kein Gymi – nichts. Und von weiteren 200 ist nicht bekannt, was sie nach den Sommerferien erwartete.

Eltern zentrale Bezugspersonen

In solchen Fällen kann es sein, dass an der Weberstrasse 21 im Kreis 4 das Telefon klingelt. Am anderen Ende des Hörers sind dann besorgte Eltern. Ähnlich war es, als sich letztes Jahr eine Mutter bei Giuliana Lamberti meldete, Projektleiterin des Vereins Starke Eltern – Starke Jugend (S.E.S.J). Deren Sohn habe zunächst zwar eine Anschlusslösung in Aussicht gehabt, weil er sich aber im Praktikum nicht bewährt habe, sei er schliesslich doch ohne Lehrstelle dagestanden. Lamberti resümiert: «Und nun sitzt er zu Hause und ist frustriert.»

Wichtig sei in solchen Situationen, den Eltern den Rücken zu stärken. Sie zeige ihnen auf, was es für Möglichkeiten gäbe. Denn Eltern ohne Anhaltspunkte gerieten oft in Panik. Die Gründerin des Vereins weiss aus eigener Erfahrung: «Bin ich einer Situation ausgeliefert, reagiere ich eher panisch.» Habe sie hingegen eine Anlaufstelle oder Informationen, könne sie schwierige Situationen gelassener nehmen. Lamberti meint, die bestehenden Hilfsangebote zielten meist auf die Jugendlichen ab. «In diesem Alter sind die Eltern aber die wichtigsten Ansprechpersonen.» Deshalb lohne es sich, bei den Eltern anzuknüpfen. Der Einfluss könne zuweilen aber auch zu gross werden. «Es kommt immer wieder vor, dass Eltern genaue Vorstellungen für ihre Kinder haben, die diese aber überhaupt nicht teilen.» Wenn das so ist, erkläre sie den Eltern, auch die Wünsche der Jugendlichen seien wichtig und «es gibt viele verschiedene Wege zum Ziel».

Wenn es an Wissen mangelt

Vor allem Eltern mit Migrationshintergrund wüssten oftmals nicht, wie unser Schul- und Berufssystem funktioniere. «Darüber kläre ich die Eltern erst einmal auf.» Kürzlich hat Lamberti eine italienische Familie betreut: «Bei ihnen gibt es nur das Gymnasium», deshalb sei für die Familie klar gewesen, der Sohn solle hier in Zürich ebenfalls eine Mittelschule besuchen. Und das, obwohl sie erst seit einem Jahr in der Schweiz gelebt hätte. «Ich zeigte den Eltern deshalb auf, wie es bei uns funktioniert und riet, der Sohn soll zuerst ein Zwischenjahr machen.» So habe der Jugendliche die Schulnoten sowie die Deutschkenntnisse erst einmal verbessern können.

Lambertis Verein S.E.S.J. bietet diese Beratungen für Eltern unentgeltlich an. Unterstützung erhält er von privaten Stiftungen und vom Sozialdepartement der Stadt Zürich. Die Zusammenarbeit mit anderen Fachstellen sei essenziell. Lamberti hat vor diesem Projekt zwanzig Jahre in der Arbeits- und Berufsintegration von Jugendlichen gearbeitet, deshalb++ kenne sie viele Fachstellen und wisse, wo für wen die richtige Anlaufstelle zu finden ist. «Je nach Bedarf stehen zudem Dolmetscher zur Verfügung.»

Für Leute aus Stadt und Kanton

Bisher richtet sich das Angebot an Interessenten aus der Stadt und dem Kanton Zürich. Da heisst es seit gut einem Monat für die einen «Hallo Lehre» oder «Hallo Gymi», für andere hingegen «Hallo Frau Lamberti».

Eltern können sich melden unter: www.sesj.ch

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Mit Stricken und Theaterspielen Krisen bewältigen

Die «Schrägen Vögel» spielen Theater, bieten Crêpes an und stricken seit neustem auch noch Mützen. Die Gruppe besteht aus Leuten, die am Rande der Gesellschaft leben. Diese Gemeinschaft ist der Ort, wo sie sich verstanden und respektiert fühlen und wo sie frischen Lebensmut fassen konnten. 

Von Maria Reiser – 28. Juni 2016

Es nieselt an diesem Frühlingstag. Nur wenig Licht dringt durch die breite Fensterfront in den kleinen Raum nahe der Limmat. Plastik- und Papiertüten liegen auf dem Tisch und dem Fussboden. Darin befinden sich zig Wollknäuel in zartem Rosa, knalligem Pink, königlichem Blau oder mattem Schwarz.
Jetzt, um 16.15 Uhr, ist noch nicht viel los. Urs richtet draussen alles für die Verpflegung her. Projektleiterin Nicole Stehli fragt in die Runde, wer was trinken möchte. Alkohol trinkt hier niemand. Eine kurze Unterredung zwischen Stehli und einer unauffällig gekleideten Frau zeigt, weshalb. Die Frau meint, sie sei ganz und gar nicht damit einverstanden, wenn rückfällige Alkoholiker bei den «Schrägen Vögeln» mitmachten.

Projekt half aus der Einsamkeit

Die «Schrägen Vögel» sind eine Theatergruppe, die Stehli 2009 gegründet hat. Die Sozialpädagogin arbeitete damals bei Pfarrer Sieber und habe die Notwendigkeit erkannt, den Bedürftigen eine Beschäftigung zu bieten. Eines der Mitglieder ist Urs, er ist heute für die Crêpes zuständig. Früher hat er gekifft. Und Urs war allein. Zu dieser Zeit kam das Projekt gerade richtig. Es hat ihn aus seiner Einsamkeit und aus einer schlimmen Krise geholt. Mittlerweile ist er jedes Jahr für das Weihnachtsmenu verantwortlich. Nach der Meinung von Stehli, «weil er so gut kocht». Und Urs ergänzt: «Man kann hier seine Stärke finden und sich dementsprechend einbringen.» Deshalb macht er heute Crêpes, statt zu stricken.

Beim aktuellen Projekt könnten alle mitmachen, die wollten, sagt Stehli. Ob jemand stricke, Wolle bringe oder etwas anderes dazu beitrage, spiele keine Rolle – alles sei willkommen. Alle drei Wochen trifft sich die Gruppe zum Stricken. Dazu kam es, weil Lotti, ein Mitglied der Theatergruppe, im letzten Winter Mützen für ihre Freunde angefertigt hat. Urs und die anderen Mitglieder haben sich ob dieses Weihnachtsgeschenks so gefreut, dass sie es dieses Jahr nun als Langzeitprojekt weiterführen. Die Mützen wollen sie an Veranstaltungen und auf Märkten verkaufen. So erhoffen sie sich, die Theatergruppe querfinanzieren zu können.
Diese studiert zweimal pro Jahr ein Stück ein, das sie jeweils selber schreibt. Jeder überlegt sich, wie seine Rolle genau aussehen soll, welche Kostüme am besten passen oder was den Charakter der Figur zusätzlich unterstreichen könnte.
Manuela erzählt gerade, wie sie sich als Punk verkleiden möchte. Denn das neue Stück spielt auf einem ausrangierten Luxus-Kreuzfahrtschiff. Zur Crew und den Gästen gehören einige schrille Gestalten.

Süchte führten zur Ausgrenzung

Manuelas Geschichte ist wohl keine einfache. Obschon sich die Mitglieder über ihre schwierigen Vergangenheiten bedeckt halten, ist spürbar, was sie erlebt haben könnten. Die Rede ist von Alkohol- und Drogensucht, von psychischen Problemen sowie der damit verbundenen sozialen Ausgrenzung. Während die Männer und Frauen sprechen, schielen sie immer wieder zu Stehli hinüber, als wollten sie sich vergewissern, dass sie nichts Falsches sagen. Aber an diesem Frühlingsnachmittag haben sie nichts Falsches gesagt. Sie haben einen Lebenslauf, der vom Normalfall abweicht und mit dem sie nicht hausieren gehen.

Die Crêpes kommen

Draussen ist der Crêpe-Stand nun bereit. Urs greift mit der Kelle tief in die Schüssel hinein und schwenkt sie herüber zur heissen Herdplatte, der Crêpière. Derweil sitzen drinnen die Frauen. Sie stricken und unterhalten sich. Draussen hat sich der Regen mittlerweile gelegt; die weichenden Wolken geben nun die Sicht auf den hellblauen Himmel frei. Ganz wie im Liedtitel von Artur Beul: «Nach em Räge schint d Sunne».

Zwei Vorführungen

Am Freitag und Samstag, 7. und 8. Juli, führen die «Schrägen Vögel» im Johanneum an der Aemtlerstrasse 43 in Wiedikon jeweils ab 19.30 Uhr ihr neues Theaterstück «Willkommen auf Queen Ros(t)marie» auf. Der Eintritt ist frei, eine Kollekte willkommen.

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„Klischée“: Ein Schweizer Exportschlager

Von Maria Reiser – 1. März 2014

Auf internationale Stars wie Parov Stelar oder Waldeck folgt nun Klischée. Die Berner Elektro-Swing-Band veröffentlicht am 14.02. ihr erstes Album „Touché“.

Klischée haben was auf dem Kasten. Das haben sie mit ihren bereits veröffentlichten Singles „Tiquette“, „Sometimes“ und „Tin Tin“ bewiesen. Mit dem neuen Album «Touché» legen sie gleich noch einen obendrauf. Die Musikproduzenten Kilian Spinnler (Sequencer / Controller) und Dominique Dreier (Keys / Synths) haben 2010 die Band Klischée gegründet. Bis 2013 wurde diese um die drei Künstler Benjamin Kniel (Visuals), William Bejedi (Vocals) und Marena Whitcher (Vocals) erweitert. Die Kombination von Visuals, Musik, Tanz und Videos, die sie in den Live-Shows bringen, trägt ihre Handschrift und die Zusammensetzung der Band unterscheidet sich vom Herkömmlichen.

Das trend magazin hat mit Klischée gesprochen.

„Klischée“ ist eine spannende Wortkombination. Weshalb habt ihr diesen Namen für eure Band gewählt?

Klischée: Es ist ein Kunstwort, welches wir selber kreiert haben. Es ist eine spannende Mischung aus Deutsch und Französisch, zudem versteht man es auch in Englisch. Auf unserem Album findet man französische und englische Texte und wir selber sprechen Deutsch, so schliesst sich der Kreis wieder.

Konntet ihr euch bezüglich der Sprache nicht einig werden?

Klischée: Wir haben es unseren Stimmgewalten offen gelassen, jeder sollte so singen dürfen, wie er sich am wohlsten fühlt und am besten ausdrücken kann. William ist zudem bilingue.

Die Liste eurer vergangenen Auftritte ist lang. Weshalb hört die Schweiz erst jetzt von euch?

Klischée: Das sagst du jetzt (lachen). Es gibt eine globale Elektro-Swing-Szene, die nicht so gross ist, deshalb sind sie ständig auf der Suche nach neuen Acts. In dieser Szene treten wir häufig auf, in der Schweiz und im Ausland. Das spricht aber eher die Clubgänger an. Wenn man noch keine CD veröffentlicht hat, bietet man den Medien wenig Plattform, um über einen zu berichten. Man kann sich den Zeitpunkt für so etwas auch nicht aussuchen, es sind immer verschiedene Faktoren, die da mitspielen.

In eurer Musik stehen die Beats und Melodien im Vordergrund. Weshalb gewichtet ihr diese Elemente stärker als den Text?

Klischée: Es liegt nicht an der Gewichtung, sondern an der Struktur; wir bauen die Lieder anders auf. Zuerst machen wir die Beats, dann die Melodie und meistens am Schluss den Text. Wir wollen elektronische, tanzbare Musik machen und natürlich hängt es auch mit dem Clubkontext und Verlauf der Band zusammen. Anders als zu Beginn, arbeiten wir nicht mehr nur instrumental, sondern eben auch mit Gesang.

Wie fühlt ihr euch, wenn ihr euer erstes, eigenes Album in Europas Trendmetropolen hört?

Klischée: Wir sind froh, dass wir es endlich geschafft haben. Es war ein langer Prozess und mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Es bereitet grosse Freude zu sehen, dass das, was man sich in einer kleinen Kammer in der Schweiz ausdenkt, auch in London oder Berlin ankommt.

Bereits vor dem Album-Release tourt ihr fleissig in der Gegend herum, auch im Ausland. Wie kommt ihr beim Live-Publikum an?

Klischée: Wir haben extrem Spass an dem, was wir machen, und das erkennt auch das Publikum. Hinzu kommt, dass unser Konzept für die Live-Shows aufgeht; William ist ein super Entertainer und Marena ist gesanglich sehr stark, diese Kombination wird von den Visuals zusätzlich unterstützt. In Berlin oder auch in St. Gallen war es schon ganz krass, es ist aber eigentlich nicht ortsabhängig.

Euer neues Album heisst „Touché“. Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?

Klischée: Im Fechtsport bedeutet «Touché», dass man sein Gegenüber berührt hat, das wollen wir mit unserer Musik auch beim Publikum erreichen. Ausserdem sieht man auf dem Cover unseres neuen Albums Zielscheiben, wir wollen bei den Zuhörern natürlich einen Treffer landen.

Gleich mehrere Lieder auf dem neuen Album haben Hitpotenzial. Welches gefällt euch am besten?

Klischée: Wir mögen alle gleich gerne (lachen). Nein, jedes Lied weist seine eigenen Besonderheiten auf und je nachdem, ob man die Songs live oder auf dem iPod hört, ist die Präferenz wieder anders.

Gibt es eine Formel, wie man einen Hit produziert, und was macht einen solchen aus?

Klischée: Marketingtechnisch ist natürlich einiges machbar, aber aus musikalischer Sicht ist ein Hit nicht planbar und es gibt sicher kein Rezept dafür. Wichtig ist, dass man seine eigene Handschrift findet und die Produktion stimmt.

Welche Bilder assoziiert ihr mit eurer Musik?

Klischée: Jeder von uns hat dabei andere Assoziationen. Dominique ordnet die Lieder in Farben ein, Kilian verbindet je nach Song Erinnerungen an Reisen und Benjamin empfindet Stimmungen, die er mit einem bestimmten Klischee verbindet. Die Zielscheibe auf dem Cover scheint uns allen recht treffend.

Es ist bekanntlich nicht leicht, nur von der Musik leben zu können. Was macht ihr beruflich?

Klischée: Benjamin ist Grafiker und Prozessgestalter, Kilian Sounddesigner und Marena, Dominique und William sind Studenten.

Bald ist es so weit mit eurer neuen Platte. Habt ihr noch eine Botschaft an die Leserschaft?

Klischée: Ihr müsst uns live erleben, es lohnt sich! Und liebe Grüsse an unsere Omis (lachen), das darf man im Radio auch immer machen

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Manolo Panic: Fremd, hilflos und einsam in der Gesellschaft

Von Maria Reiser – 29. Dezember 2013

Die Zürcher Indierockband Manolo Panic befindet sich auf dem aufsteigenden Ast. Die vier sympathischen Jungs stellen am 31. Januar 2014 ihr Debütalbum „Helpless & Strange“ vor.

Sie hätten sich zwar nicht bewusst gesucht, aber 2009 haben sich Ramon Margharitis (Lead Vocals, Synthesizer, Gitarre), Laura Frei (Bass, Synthesizer, Backing Vocals) und Michael Fiedler (Drums, Backing Vocals), alle aus dem Grossraum Zürich, gefunden. Janick Zumofen (Gitarre, Backing Vocals) stiess wenig später dazu. Und genau so zufällig beschreiben sie die Entstehung ihres Albums „Helpless & Strange“ – der Titel deutet es an. Sie haben sich im Proberaum treiben lassen, erzählen sie und es hätte sich alles einfach so ergeben.

Und es hat sich gut ergeben. Die Musik von Manolo Panic ist authentisch, eigen, tanzbar und nicht langweilig – im Fall von „Social Butterfly“ sogar sehr überraschend. Ergänzend zum bekannten Indierocksound aus Gitarre, Bass und Drums setzen sie auch Synthesizer ein, aber nie soviel, dass sie Fans guten Rocks vergraulen könnten. Das trend magazin traf Manolo Panic zum Interview.

Der Name eurer Band ist „Manolo Panic“, weshalb?

Manolo Panic: Wir waren in Montpellier unterwegs und sind dort auf einen alten Dude gestossen, der auf seiner schäbigen Gitarre Blues gespielt hat. Plötzlich warf er die Gitarre auf den Boden, rannte auf uns zu und schrie: „Manolo Panic“, dann rannte er wieder weg. Wir waren ziemlich verdutzt. Als wir einen Namen für unsere Band suchten, kam uns diese Geschichte wieder in den Sinn und wir dachten, warum nicht.

Ihr singt in Englisch, warum nicht Mundart?

Manolo Panic: Englisch klingt einfach besser und ist eine schöne Sprache. Schliesslich erreicht man damit auch mehr Leute. Es ist internationaler.

Ihr sagt, ihr steht gerne auf der Bühne. Schon mal ausgebuht worden?

Manolo Panic: Vor einem Konzert ist uns das schon einmal passiert. Wir waren in Polen an einem Volksfest und haben als einzige Band einen Soundcheck gemacht, der wegen der Technik auch noch ziemlich lange dauerte, das kam beim Publikum nicht so gut an. Die Musik fanden sie dann aber gut.

Seid ihr schon mal in einem halbleeren Konzertsaal aufgetreten?

Manolo Panic: In der Schweiz passiert uns das weniger, im Ausland schon eher. Es ist ein komisches Gefühl, bis man zu spielen beginnt. Grundsätzlich sollte man als Band Spass und Freude an der Musik haben, dann kommt es nicht darauf an, ob dir 5 oder 50’000 Leute zuhören.

Euer Debütalbum heisst „Helpless & Strange“. Was wollt ihr damit ausdrücken?

Manolo Panic: Die Thematik in den Lyrics ist oft jene, dass man sich im Umfeld oder in der Gesellschaft ein bisschen fremd, hilflos oder auch seltsam fühlt. Damit sprechen wir sicher viele Leute an, denn gerade unter den Jungen ist das ein grosses Thema.

Inwiefern unterscheiden sich die Lieder auf dem neuen Album von den vorherigen?

Manolo Panic: Sie sind ehrlicher und vielfältiger. Die Musik ist mit uns zusammen erwachsener geworden.

Wie war der Prozess, der zu diesem Resultat geführt hat?

Manolo Panic: Das Zusammenspiel aller Beteiligten war einfach super. Es war in gewisser Weise auch ein Selbstfindungsprozess der Band, der sehr spannend, lehrreich und hart war.

Was hättet ihr noch besser machen können?

Manolo Panic: Wir hätten noch frecher sein können. Ein Album ist ja immer eine Momentaufnahme einer Band. Im Nachhinein kann man dann immer sagen, das hätte man noch besser machen können.

Vermittelt ihr eine Botschaft mit eurer Musik?

Manolo Panic: Erforsche dich selbst.

Welches Lied gefällt euch besonders gut?

Manolo Panic: Je nach Stimmung, im Moment ist es gerade „Seasoned Noise“.

Nur wenige Künstler können in der Schweiz von der Musik leben, wie seht ihr das?

Manolo Panic: Wir können es auch nicht. Es ist sicher von Vorteil, dass man in der Schweiz nebenbei noch einen gut bezahlten Job ausüben kann. Um von der Musik leben zu können, müsste man einen grösseren Markt ansprechen, sprich auch im Ausland Erfolg haben.

Was macht ihr beruflich?

Manolo Panic: Ramon ist Verkäufer für Musikinstrumente, Laura Studentin, Janick Konstrukteur und Michael Landschaftsgärtner und Schlagzeuglehrer.

Ihr habt bestimmt Erwartungen an eure musikalische Karriere, was wären diese?

Manolo Panic: Wir wollen von der Musik leben können.